Chronik

Die Geschichte der Wasgaudörfer Böllenborn und Reisdorf. Wählen Sie die Epoche Ihres Interesses aus und stöbern Sie in der Geschichte. In der nachfolgenden Chronik haben wir externe Links auf die jeweiligen Einträge in Wikipedia eingefügt. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Datenschutzerklärung.

Buch zur 650-jahr-Feier

Zur 650-Jahr-Feier der Ortsgemeinde veröffentlichte Egon Bade im Jahr 1995 im Auftrag der Gemeinde das Heimatbuch
„Böllenborn-Reisdorf 1345–1995 – Geschichte zweier Wasgaudörfer“.
Das 320 Seiten starke Werk dokumentiert ausführlich die Geschichte der beiden Orte von den mittelalterlichen Ursprüngen bis in die Gegenwart. Neben der umfangreichen Chronik enthält das Buch zahlreiche historische Fotografien, Karten, Dokumente und statistische Daten zur Ortsgemeinde.
Beiträge verschiedener Autoren behandeln unter anderem:
die Frühgeschichte und Ersterwähnung der Orte,
die Zeit der Kurpfalz und der Französischen Revolution,
Schule, Waldwirtschaft und Vereinsleben,
die Kirchen- und Feuerwehrgeschichte,
sowie einen „Gang durch Alt-Böllenborn“.
Das Buch erschien als hochwertiger Leinenband mit silberner Prägung im Format ca. 17,5 × 24,5 cm.
Heute ist das Werk nur noch vereinzelt antiquarisch oder als Gebrauchtausgabe im Internet erhältlich.

Buch-Cover Böllenborn-Reisdorf 1345-1995
ersterwähnungsurkunde

Die Ersterwähnungsurkunde datiert vom 14. Juni 1345. Dabei handelt es sich um die Beurkundung durch Kaiser Ludwig den Bayern über den Verkauf der Reichslehen in Böllenborn und Reisdorf mit allen Rechten und Einkünften an den Sponheimer Grafen Walram von Veldenz. Verkäufer der Reichslehen war Anselm von Berwartstein. Die Urkunde wird im Bestand „Sponheimer Urkunden“ unter der Nummer 324 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München verwahrt.
Die Schreibweise der Ortsnamen in der Urkunde entspricht nicht der heutigen. Damals waren die Schreibarten „Bellenbeur“ und „Reychelsdorf“ gebräuchlich. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die ursprüngliche Bezeichnung der beiden Dörfer an die Namen ihrer Gründer angelehnt war: „Baldo- oder Balloburi“ bzw. „Regisch- oder Regichildorf“. Die Beurkundung aus dem Jahr 1345 beweist, dass die beiden Dörfer zu dieser Zeit bereits existierten. Die Frühgeschichte ihrer Gründung ist leider nicht überliefert. Aus Fundstücken (z. B. einem Scherbenfund aus dem Jahr 1992) lässt sich jedoch ableiten, dass die ersten Siedler etwa im 12. oder 13. Jahrhundert die Gründer der Orte waren.
Im 12. und 13. Jahrhundert kam es zu neuen Formen der Grundherrschaft, bedingt durch Veränderungen in der Villikationsverfassung. Dabei ermöglichten die Klöster den Hörigen bzw. Leibeigenen, Ländereien in Eigenbewirtschaftung zu übernehmen. Böllenborn und Reisdorf liegen im Mundatwald – was noch heute Grenzsteine in den Wäldern belegen –, so der historische Name für den Grundbesitz des Klosters Weißenburg (7. bis 16. Jahrhundert). Daher ist davon auszugehen, dass die ersten Siedler Hörige bzw. Leibeigene des Klosters in Weißenburg (Wissembourg) waren. Darauf gründet sich auch der Schlüssel in der rechten Hälfte des Wappens von Böllenborn, der an den Besitz durch das Kloster erinnert.

1250 bis 1500: Das Mittelalter

Durch die erste bayerische Landesteilung von 1255 erhielt Ludwig II. die Pfalz und Oberbayern. Nach seinem Tod im Jahr 1294 wurde sein Sohn Rudolf I. (genannt „der Stammler“) Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Oberbayern. Sein jüngerer Bruder Ludwig (genannt „der Bayer“) wurde 1302 Mitregent in Oberbayern und später, im Jahr 1314, zum König gewählt. 1328 krönte man König Ludwig zum römischen Kaiser. In einer seiner Kanzleien entstand die Ersterwähnungsurkunde für Böllenborn und Reisdorf (siehe separaten Abschnitt weiter unten).
Die beiden Brüder waren jedoch uneinig. Pfalzgraf Rudolf und sein Schwiegervater, König Adolf von Nassau (reg. 1292–1298), waren entschiedene Gegner Ludwigs. Unter dem Pfälzer Löwenbanner von König Adolf versammelten sich auch die Sponheimer Ritter. Der Brüderzwist zwischen Rudolf und Ludwig endete 1317 damit, dass Rudolf alle seine Rechte verlor und fliehen musste. Für die Pfalz setzte Kaiser Ludwig einen Verwalter ein.
Bis zu seinem Tod im Oktober 1347 förderte Kaiser Ludwig die Pfalzgrafschaft bei Rhein nachhaltig.
Die Beurkundung durch Kaiser Ludwig über den Verkauf von Böllenborn und Reisdorf ist der erste Beleg für die Herren dieser Orte. Die weiteren Herren sind hier in kurzer Übersicht:

  • Bis 1345: Anselm von Berwartstein (Edelknecht; Ritter von einfachem sozialen Status)
  • Bis 1437: Graf Walram von Sponheim kauft 1345 die Wasgaudörfer (Ersterwähnungsurkunde). Sie bleiben im Besitz der Familie bis 1437, das Jahr in dem das Geschlecht der Grafen von Sponheim ausstarb.
  • 1421 bis 1424: verpfändet an Markgraf von Baden Bernhard I
  • 1424 bis 1432: Nutzungsüberlassung an Friedrich von Tan
  • Bis 1459: Das Geschlecht der Veldenzer Grafen stirbt aus. Neben den Markgrafen von Baden wird nun neuer Mitinhaber Friedrich von Simmern.
  • Bis 1462: Die Markgrafen von Baden kämpften im Badisch-Pfälzischen Krieg (1461/1462) auf Seite Badens gegen den Pfälzer Kurfürst Friedrich I. und verloren in der Schlacht von Seckenheim 1462. Grafendahn und somit auch die beiden Wasgaudörfer fallen dadurch den Kurfürsten Friedrich I. Grafendahn war nun kurpfälzisch geworden.
  • Bis 1480: Zeitweise an verschiedene Herren verpfändet.
  • Bis 1485: 1480 wurde Ritter Hans von Trotha (Marschall im kurpfälzischen Dienst) für seine Dienste belohnt und erhielt von Philipp (Nachfolger von Kurfürst Friedrich I.) die Burgen Grafendahn und Berwartstein nebst Zubehör verliehen.
  • Bis 1545: Ritter Hans von Trotha kaufte 1485 die Burgen und ‚dem was dazu gehörte‘. Er war somit auch Dorfherr von Böllenborn und Reisdorf (und einiger anderer Dörfer) geworden. Der letzte Ritter des Geschlechts von Throta (Christoph) starb 1545 ohne männlichen Erben. So wurde seine Tochter Margarethe lehensberechtigt (gemäß Vereinbarung zwischen Christoph und der Kurpfalz von 1511).

1500 bis 1900: Die Neuzeit

Margarethe von Trotha war mit Friedrich von Fleckenstein verheiratet. Zunächst waren die Dörfer Böllenborn, Reisdorf und Birkenhördt von der Kurpfalz nur an die Fleckensteiner verliehen. 1553 verkaufte Friedrich seine Rechte an Ilbesheim bei Landau an den Herzog von Pfalz-Zweibrücken. Den Verkaufserlös von 1250 Gulden überließ er dem Kurfürsten und erhielt dafür das Eigentum an den Dörfern Birkenhördt, Böllenborn und Reisdorf übertragen.
Friedrichs Sohn Hans gab das Eigentum an den Dörfern jedoch wieder an die Kurpfalz zurück und erhielt sie als Leibgeding-Lehen zurück.
Durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurden neue Besitzverhältnisse erzwungen. 1621 übertrug Kaiser Ferdinand II., der die Region in Besitz genommen hatte, das Oberamt Germersheim an Erzherzog Albrecht von Österreich. Zu diesem Oberamt zählten damals auch die Dörfer Böllenborn, Reisdorf und Birkenhördt. Nach Albrechts Tod (1622) ging das Amt an Erzherzog Leopold über, der jedoch erst 1628 das Eigentum erhielt.
1642 übertrug die Witwe des Erzherzogs die Dörfer an Nikolaus Georg von Reigersberg, kaiserlicher Rat. 1668 kaufte Kurfürst Karl Ludwig die Dörfer dem Haus Reigersberg ab. Nach dem kinderlosen Tod Karl Ludwigs im Jahr 1685 brach der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) aus, da Liselotte von der Pfalz, die Schwester Karl Ludwigs, mit einem Bruder des französischen Königs verheiratet war und Frankreich Erbansprüche geltend machte. Während dieser Zeit stand das kurpfälzische Oberamt Germersheim unter französischer Souveränität.
Weitere Kriege wüteten danach in der Region, und die Souveränität blieb bei Frankreich.

1900 bis heute

„Endlich, nach 600 Jahren, Herr im eigenen Haus.“ … durch die Regierungsentschließung vom 10.Juli 1904 verfügt bekam die Gemeine Böllenborn ein eigenes Bürgermeisteramt.

Erster Weltkrieg (1914 – 1918)

Obwohl keine Kampfhandlungen in der Gemeinde statt fanden waren die Auswirkungen jedoch spürbar:

  • 36 Böllenborner Männer wurden zu den Waffen gerufen (es gab damals 40 Familien im Ort)
  • die Nahrungsmittel wurden knapp
  • Acht Böllenborner Männer kamen nicht mehr nach Hause
  • französische Besatzung
Weimarer Republik (1919 – 1933)

Aufschwung nach dem Krieg und Absturz …

  • 1921/1922: elektrisches Licht wurde ins Dorf gebracht
  • 1926: Wasserversorgungsanlage gebaut; Darlehen wurden aufgenommen
  • 1929: Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Preiserhöhungen (Strom, Wasser, …), Preisverfall bei Holz (einziges Standbein der Gemeinde)
  • 1932: die Gemeinde ist nicht mehr zahlungsfähig (z.B. Krisengeld an Arbeitslose)
Drittes Reich (1933 – 1945)
  • 1933: Am 5. November 1933 wurde im Gemeinderat beschlossen, dass der Weiler Reisdorf und die Ortschaft Böllenborn als eine Gemeinde zu führen sind
  • 1938: Beginn der Baumaßnahmen zum Westwall; 9 Baulager in der Ortsgemeinde mit 350 Mann
  • 1939: Die Gemeinde liegt in der „Roten Zone“ (10 KM Gefechtsstreifen in Landesinnere) und muss sofort geräumt werden (Anweisung vom 1.09.1939)
  • 1940: Die Rückkehr konnte nach dem Waffenstillstand mit Frankreich Ende August 1940 erfolgen
  • 1944: Ende des Jahres kam es zu starken Kampfhandlungen mit den US-Streitkräften. Zu diesem Zeitpunkt waren die Bewohner bereits geflohen; es waren nur noch Soldaten im Ort
  • 1945: Ende des Krieges. Reisdorf komplett zerstört; Böllenborn großteils zerstört. 18 Böllenborner Männer kamen nicht mehr nach Hause (neun Männer gefallen; neun Männer gelten als vermisst). Französische Besatzungsmacht
Wiederaufbau bis heute (1945 – …)
  • 1946: Sprengung der Westwallbunker (auf französisches Geheiß)
  • 1948: Währungsreform (Einführung der D-Mark). Der Gemeinde geht es immer besser (Holzhandel)
  • 1950: Das Gemeindewappen wird genehmigt. Die Blasonierung des Wappens lautet: „Von Schwarz und Rot gespalten, rechts eine silberne Weißpappel auf grünem Grund, beseitet von einer silbernen gemauerten Quelle und silbernem Quellenausfluss in grünem Grund, links ein aufgerichteter goldener Schlüssel“. Der Schlüssel erinnert an den Besitz des Klosters Weißenburg und Pappel (=Bölle) und Quelle (=Born) verweisen redend auf den Ortsnamen
  • 1951: in Reisdorf haben sich wieder vier Familien angesiedelt
  • 1967: die Gemeinde bleibt selbstständig. Die Eingemeindung zur Stadt Bad Bergzabern wird vom Gemeinderat abgelehnt
  • 1978: die Ortsgemeinde Böllenborn-Reisdorf wird als Fremdenverkehrsgemeinde staatlich anerkannt
  • 1987: Sanierung des „Weschbach“ (Waschbach mit – in dieser Form seltenen – Waschbank)
  • 1988 und 1990: schönstes Dorf im Kreis SÜW
  • 1991: Umbau des Feuerwehrgerätehäuslein in Reisdorf zur Wendelinus-Kapelle
  • 1992: 500-Jahr-Feier der katholischen Kirche Mariae Geburt
  • 1994: Ein Dorfgemeinschaftshaus wird gebaut
  • 1995: 650-Jahr-Feier der Ortsgemeinde
  • 2010: Breitbandanschluss DSL kommt nach Böllenborn und löst Funkverbindung am Kirchturm ab
  • 2017: gefördertes Offenhaltungsprojekt zum Schutz der Natur und Landschaft
  • 2023: Komplettsanierung des Dorfgemeinschaftshaus nach Wasserschaden