Die Kirche „Mariae Geburt“ in Böllenborn – Ein Juwel der Südpfalz
Malerisch eingebettet in ein von Wäldern umrahmtes Tal des Wasgaus, zwischen der „Hohen Derst“ und dem „Kahlenberg“, liegt der Ort Böllenborn. Hier thront die Kirche „Mariae Geburt“ – zu Recht als „Kronjuwel von Böllenborn“ bezeichnet. Ihr spätgotischer Chor, 1489 unter Kurfürst Philipp dem Aufrichtigen als Teil einer neuen Pfarr- und Marienwallfahrtskirche errichtet, besticht durch seine einzigartige Architektur: ein ochsenwinkliger Schluss und wertvolle spätgotische Plastiken machen ihn zu einer architektonischen Besonderheit der Pfalz. Nach den Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde das Langhaus im 18. Jahrhundert (1722, 1741, 1768) barock erweitert, um dem wachsenden Dorf gerecht zu werden. Der Chor blieb dabei unversehrt erhalten, während das ehemalige Gnadenbild 1746 mit einem Strahlenkranz versehen wurde.
Ein bedeutender Wallfahrtsort
Über Jahrhunderte war „Mariae Geburt“ ein zentraler Wallfahrtsort im südlichen Wasgau. Im Mittelpunkt stand eine spätgotische Mondsichelmadonna aus dem frühen 16. Jahrhundert, die vermutlich aus Birkenhördt stammt. Sie zeigt Maria mit dem Jesuskind, das eine Taube – Symbol für den Heiligen Geist und den Frieden – in den Händen hält. Zur Förderung der Marienverehrung wurde 1769 eine Rosenkranzbruderschaft gegründet. Erst mit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ebbte die Wallfahrtstradition langsam ab.
Kunsthistorische Schätze im Inneren
Die Innenausstattung der Kirche birgt bemerkenswerte Zeugnisse:
Moderne Akzente und lebendige Tradition
1988/89 entstanden nach Entwürfen des damaligen Pfarrers Rudolf Nether farbenprächtige Kirchenfenster, die Szenen aus dem Leben Mariens darstellen – von Adam und Eva als Vorausdeutung Mariens über die Verkündigung und Christi Geburt bis zur Himmelfahrt Mariens. So verbindet die Kirche spätgotische Tradition mit moderner sakraler Kunst.
Im Dachreiter hängen seit 1951 zwei Glocken der Glockengießerei Hamm aus Frankenthal: die Marienglocke und die kleinere Josefsglocke. Eine historische Orgel von 1899 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und durch ein elektronisches Harmonium (seit 1989) ersetzt.
Ein lebendiges Denkmal
Heute steht die Kirche „Mariae Geburt“ als denkmalgeschütztes Bauwerk unter besonderem Schutz und gilt weit über Böllenborn hinaus als eines der reizvollsten Gotteshäuser der Südpfalz. Seit der Bistumsreform gehört sie zur Pfarrei Hl. Edith Stein in Bad Bergzabern – doch ihr Charakter als Ort der Stille, der Geschichte und lebendigen Marienverehrung ist bis heute bewahrt.
Die Wendelinuskapelle in Reisdorf – Ein modernes Wahrzeichen mit historischer Sehnsucht
Mitten im idyllischen Weiler Reisdorf, im südlichen Wasgau, erhebt sich die Wendelinuskapelle – heute eines der markanten Wahrzeichen des Ortes. Anders als viele traditionelle Dorfkapellen entstand sie nicht als mittelalterlicher Sakralbau, sondern aus einem ehemaligen Feuerwehrgerätehaus. 1956 als schlichtes Feuerwehrhäuschen errichtet, diente es jahrzehntelang der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. Erst 1991 wurde das Gebäude zur Kapelle umgestaltet und dem heiligen Wendelin geweiht – dem Schutzpatron der Hirten, Bauern und ländlichen Gemeinden.
Ein langer Wunsch wird Wirklichkeit
Der Wunsch nach einer Wendelinuskapelle in Reisdorf reicht jedoch viel weiter zurück. Eine Inschrift im Innerenerinnert daran, dass bereits 1773 der Bau einer solchen Kapelle geplant war. Damals kam es nicht zur Umsetzung. Erst über zwei Jahrhunderte später konnte die Idee mit dem Umbau des alten Feuerwehrhauses verwirklicht werden – ein Zeugnis der Beharrlichkeit und des traditionellen Glaubens der Dorfgemeinschaft.
Ein Ort der Stille im Pfälzerwald
Heute fügt sich die Kapelle harmonisch in das malerische Ortsbild des kleinen Waldweileres ein. Mit ihrer schlichten Bauweise, dem zierlichen Dachreiter und der ruhigen Lage strahlt sie einen fast privaten Charakter aus – ein Ort stiller Einkehr mitten im Pfälzerwald. Gemeinsam mit der Wallfahrtskirche „Mariae Geburt“ in Böllenborn bildet sie ein kleines, aber kulturhistorisch bedeutendes Ensemble sakraler Bauwerke der Gemeinde. Ein Ort, der die enge Verbindung der Bevölkerung zu ihrer Heimat und ihren Traditionen widerspiegelt.


